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PSA für Elektriker und Arbeitskleidung in der Elektrobranche

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2026
Lesedauer: 10 Minuten
© ReggieLavoie / istockphoto.com

Persönliche Schutzausrüstung und passende Arbeitskleidung sind im Elektrohandwerk unverzichtbar. Doch welche Ausrüstung schützt zuverlässig vor Stromschlägen und Störlichtbögen, und worin unterscheidet sich Schutzkleidung von normaler Arbeitskleidung? Erfahren Sie, welche Anforderungen gelten, worauf Betriebe bei der Auswahl achten sollten und wie sich Sicherheit und ein professioneller Auftritt verbinden lassen.

Was zur Schutzausrüstung im Elektrohandwerk gehört

Persönliche Schutzausrüstung (PSA) umfasst alles, was Beschäftigte bei der Arbeit am Körper tragen, um sich vor Gefahren zu schützen. Bei Elektrikern stehen zwei Gefahren im Vordergrund. Die eine ist die Körperdurchströmung, wenn jemand ein unter Spannung stehendes Teil berührt. Die andere ist der Störlichtbogen, ein Kurzschluss durch die Luft, der in Bruchteilen einer Sekunde Hitze, grelles Licht und eine Druckwelle freisetzt.

Die Schutzausrüstung setzt sich deshalb je nach Tätigkeit aus mehreren Teilen zusammen:

  • Schutzkleidung gegen die thermischen Gefahren eines Störlichtbogens
  • elektrisch isolierende Schutzhandschuhe
  • Gesichtsschutz mit Visier und ein Schutzhelm
  • Sicherheitsschuhe, bei Bedarf in elektrisch isolierender Ausführung

Welche Teile im Einzelfall nötig sind, legt die Gefährdungsbeurteilung fest. Vorrang hat dabei immer das Arbeiten im spannungsfreien Zustand nach den fünf Sicherheitsregeln (DIN VDE 0105-100). PSA braucht es dort, wo sich eine Anlage nicht freischalten lässt oder ein Restrisiko bleibt. Wer eine Steckdose in einem freigeschalteten, gesicherten und auf Spannungsfreiheit geprüften Stromkreis tauscht, arbeitet mit geringem Restrisiko. Wer dagegen in einer Niederspannungs-Hauptverteilung unter Spannung misst, braucht isolierende Handschuhe, Störlichtbogen-Schutzkleidung und ein Visier.

Arbeitskleidung oder Schutzkleidung

Im Betriebsalltag werden beide Begriffe oft vermischt. Der Unterschied: Schutzkleidung ist für eine bestimmte Gefahr geprüft, Arbeitskleidung nicht.

Arbeitskleidung für Elektriker ist Kleidung für den täglichen Einsatz. Sie schont die private Garderobe, hat Taschen für Spannungsprüfer, Zollstock und Schraubendreher und hält Schmutz, Staub und häufiges Waschen aus. Eine Bundhose mit Taschen für Kniepolster gehört genauso dazu wie eine Softshelljacke für die Baustelle oder ein Poloshirt für den Kundendienst. Vor Strom oder Lichtbogen schützt diese Kleidung nicht. Ähnlich ist es mit reflektierenden Elementen an der Arbeitskleidung. Sie verbessern die Sichtbarkeit, ersetzen aber keine Warnkleidung, wenn an der Straße gearbeitet wird.

Ein Schutzanzug gegen Störlichtbogen ist nach einem genormten Verfahren geprüft, trägt eine Kennzeichnung mit Norm und Schutzklasse und kommt mit einer Herstellerinformation. Sie nennt Einsatzgrenzen, Pflegehinweise und ab wann das Teil ausgesondert werden muss. Der Schutz gilt für das Kleidungsstück in dem Zustand, in dem es geprüft wurde. Nachträglich aufgenähte Embleme oder Flicken aus ungeeignetem Material können die Schutzwirkung beeinträchtigen. Reparieren Sie Schutzkleidung deshalb nur mit Originalmaterial oder lassen Sie das den Hersteller übernehmen.

So erkennen Sie Schutzkleidung am Etikett

Schutzkleidung trägt eine CE-Kennzeichnung und nennt die Norm, nach der sie geprüft wurde. CE allein bedeutet aber noch keinen Störlichtbogenschutz, denn auch eine Warnweste nach EN ISO 20471 ist zertifizierte PSA. Störlichtbogen-Schutzkleidung erkennen Sie am Piktogramm für Störlichtbogen, am Verweis auf DIN EN IEC 61482-2 und an der Klasse APC 1 oder APC 2. Fehlen diese Angaben, schützt das Kleidungsstück nicht vor einem Störlichtbogen, auch wenn das Gewebe robust ist und die Jacke technisch aussieht.


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Schutzkleidung gegen Störlichtbogen

Ein Störlichtbogen kann entstehen, wenn beim Arbeiten an einer Verteilung ein Werkzeug zwei Leiter überbrückt, eine Abdeckung abrutscht oder ein Schaltgerät versagt. Die Hitze verbrennt ungeschützte Haut, und gewöhnliche Kleidung aus Kunstfasern kann schmelzen. Störlichtbogen-Schutzkleidung soll verhindern, dass die Wärme bis zur Haut durchdringt und dass das Gewebe nach dem Ereignis weiterbrennt. Gegen eine Körperdurchströmung schützt diese Kleidung nicht. Dafür sind das Freischalten und isolierende Handschuhe notwendig.

Klasse 1 und Klasse 2 im Box-Test

Die Anforderungen an Störlichtbogen-Schutzkleidung legt DIN EN IEC 61482-2 fest. In Europa wird sie oft im sogenannten Box-Test nach DIN EN 61482-1-2 geprüft, der zwei Schutzklassen unterscheidet: Für Klasse 1 (APC 1) wird die Kleidung einem Lichtbogen mit 4 kA Prüfstrom ausgesetzt, für Klasse 2 (APC 2) mit 7 kA, jeweils für 500 ms.

Welche Klasse an einer Arbeitsstelle ausreicht, lässt sich am Prüfstrom allein nicht ablesen. Entscheidend ist die Energie, die dort im Fehlerfall frei werden kann. Diese Energie hängt von der Anlage, dem Kurzschlussstrom und der Abschaltzeit der Schutzeinrichtung ab. Eine Hilfe bei dieser Auswahl gibt die DGUV Information 203-077 „Thermische Gefährdung durch Störlichtbögen“. Je näher die Arbeitsstelle am Transformator liegt, desto höher ist der mögliche Kurzschlussstrom. In der Unterverteilung eines Wohnhauses fällt die Energie deshalb meist deutlich geringer aus als in der Niederspannungs-Hauptverteilung eines Industriebetriebs, wo selbst Klasse 2 an Grenzen stoßen kann.

Worauf es beim Tragen ankommt

Störlichtbogen-Schutzkleidung schützt nur, wenn sie vollständig geschlossen ist und die Ärmel unten bleiben. Prüfen Sie sie vor jedem Einsatz auf Risse, durchgescheuerte Stellen und Verschmutzungen, denn Öl, Schmierstoffe und Reinigungsmittel im Gewebe können die Schutzwirkung beeinträchtigen. Tragen Sie unter der Schutzkleidung keine Shirts oder Unterwäsche aus Polyester oder anderen Kunstfasern, da diese bei Hitze schmelzen und sich in die Haut einbrennen können. Besser ist Unterwäsche aus Baumwolle oder schwer entflammbarem Material.

Firmenlogo auf Störlichtbogen-Schutzkleidung

Ein Firmenlogo auf Störlichtbogen-Schutzkleidung sollten Sie nicht einfach nachträglich aufbringen lassen. Bei der Prüfung wird auch das Brennverhalten von Emblemen und Logos bewertet. Ein später aufgestickter oder aufgedruckter Schriftzug ist darin nicht enthalten und kann im Ernstfall brennen oder schmelzen. Sprechen Sie das Logo deshalb vorher mit dem Hersteller ab. Manche bringen es direkt ab Werk mit geprüften Materialien auf.

Handschuhe, Schuhe und Kopfschutz

Neben der Kleidung gehören zur PSA im Elektrobetrieb alle Teile, die Hände, Füße, Kopf und Gesicht schützen. Die Übersicht zeigt, wogegen jedes Teil schützt und worauf Sie achten sollten.

SchutzausrüstungSchützt vorWorauf Sie achten sollten
Isolierende SchutzhandschuheKörperdurchströmung über die HändeKlasse passend zur Anlagenspannung, Sichtprüfung vor und nach jeder Benutzung
Gesichtsschutz mit VisierHitze und Licht eines Störlichtbogens im Gesichtnach GS-ET-29 geprüft und passend zur Klasse der Kleidung, zerkratzte oder trübe Scheiben austauschen
SchutzhelmStöße und herabfallende Teilein der Nähe spannungsführender Teile nur mit Kennzeichnung „440 V a.c.“ (EN 397) oder nach EN 50365
SicherheitsschuheQuetschungen, spitze Gegenstände, Ausrutschenbei Arbeiten unter Spannung elektrisch isolierende Schuhe nach EN 50321-1, Klasse 00 oder 0*

* Vorsicht bei der Kennzeichnung „antistatisch“ (A) oder ESD: Solche Schuhe leiten statische Ladung gezielt ab und schützen deshalb nicht vor einer Körperdurchströmung. Elektrisch isolierend sind nur Schuhe, die ausdrücklich nach EN 50321-1 geprüft sind.

Warum Isolierhandschuhe zur Grundausstattung gehören

Die Hände sind meistens der erste Kontaktpunkt mit einem spannungsführenden Teil: beim Messen, beim Abdecken benachbarter Leiter oder beim Prüfen, ob eine Anlage wirklich spannungsfrei ist. Isolierende Handschuhe nach DIN EN 60903 sind in Klassen eingeteilt. Klasse 00 ist für bis zu 500 V Wechselspannung ausgelegt, Klasse 0 für bis zu 1.000 V. Im üblichen 230/400-V-Netz deckt damit schon Klasse 00 die Spannung zwischen zwei Außenleitern ab. Gewöhnliche Montagehandschuhe schützen vor Schnitten und Schmutz, isolieren aber nicht. Isolierhandschuhe gehören in eine eigene Schutztasche, getrennt von scharfkantigem Werkzeug und geschützt vor Hitze und Sonnenlicht.

Gesichtsschutz und Helm richtig kombinieren

Ein Störlichtbogen-Visier wird am Schutzhelm befestigt und zusammen mit ihm nach dem Prüfgrundsatz GS-ET-29 geprüft. Verwenden Sie deshalb nur Kombinationen aus Helm und Visier, die der Hersteller ausdrücklich dafür freigibt. Ein einfaches Klarsichtvisier hält zwar UV-Strahlung ab, die Infrarotstrahlung eines Lichtbogens aber nicht ausreichend. Störlichtbogen-Visiere sind deshalb getönt oder beschichtet und dunkeln die Sicht etwas ab. Zerkratzte oder trübe Scheiben sollten Sie austauschen.

Ob ein Helm elektrisch isoliert, zeigt seine Kennzeichnung. Bei Helmen nach EN 397 steht dort die Zusatzangabe „440 V a.c.“, Helme nach EN 50365 sind für Arbeiten bis 1.000 V ausgelegt. Fehlt beides, ist der Helm für Arbeiten in der Nähe spannungsführender Teile nicht geeignet.

Vorschriften und Pflichten im Betrieb

Den Rahmen für die PSA im Elektrobetrieb bilden mehrere Regelwerke. Das Arbeitsschutzgesetz verlangt eine Gefährdungsbeurteilung, aus der hervorgeht, welche Gefahren bei welchen Tätigkeiten bestehen und wie Beschäftigte davor geschützt werden. Die PSA-Benutzungsverordnung regelt, wie persönliche Schutzausrüstung ausgewählt, bereitgestellt und benutzt wird. Für den Betrieb elektrischer Anlagen gilt DIN VDE 0105-100, aus der unter anderem die fünf Sicherheitsregeln stammen.

Im Betrieb hat sich eine feste Reihenfolge bewährt, die bei jeder neuen Tätigkeit und jedem neuen Mitarbeiter von vorn beginnt:

  1. Tätigkeiten erfassen und für jede die Gefährdungen beurteilen, auch die Arbeit in der Nähe spannungsführender Teile
  2. Schutzmaßnahmen festlegen und daraus ableiten, welche PSA in welcher Schutzklasse gebraucht wird
  3. die Ausrüstung in passenden Größen bereitstellen, damit sie im Einsatz auch getragen wird
  4. die Beschäftigten anhand einer Betriebsanweisung unterweisen und die Unterweisung dokumentieren
  5. PSA vor jeder Benutzung sichtprüfen, die Prüffristen nach DGUV Vorschrift 3 einhalten und beschädigte Teile sofort aussondern

Unterwiesen wird vor der ersten Benutzung, danach mindestens einmal im Jahr und zusätzlich, wenn neue Ausrüstung oder neue Tätigkeiten dazukommen. Für PSA, die vor tödlichen Gefahren schützt, verlangt die PSA-Benutzungsverordnung außerdem Übungen. Dazu gehören isolierende Handschuhe und Störlichtbogen-Schutzkleidung. Die Beschäftigten probieren deshalb selbst aus, wie Helm und Visier richtig sitzen und wie man einen Isolierhandschuh vor dem Einsatz durch Aufrollen auf Löcher prüft.

Erstausstattung für den Betrieb

Bei der Gründung eines Elektrobetriebs oder wenn neue Monteure anfangen, gehören zwei Dinge auf die Einkaufsliste: die PSA aus der Gefährdungsbeurteilung und die Arbeitskleidung für den Alltag. Die PSA bekommt jeder Mitarbeiter persönlich in passender Größe, aufbewahrt wird sie getrennt von der übrigen Kleidung.

Mit der Arbeitskleidung legt der Betrieb auch fest, wie er beim Kunden auftritt. Ein einheitliches Outfit wirkt professionell, und Kunden erkennen einen Monteur direkt am Firmenlogo, wenn er vor der Tür steht. Besonders gut eignen sich Bund- und Latzhosen, Polos, Westen und Softshelljacken als Arbeitskleidung mit Logo. Noch vertrauenswürdiger wird der Auftritt, wenn neben dem Firmenlogo auch der Name des Mitarbeiters auf die Kleidung gestickt oder gedruckt wird.

Fazit: Die richtige Schutzausrüstung schützt Leben und Gesundheit

Persönliche Schutzausrüstung ist im Elektrohandwerk weit mehr als eine Frage der Arbeitskleidung. Isolierende Handschuhe, geeigneter Gesichtsschutz und geprüfte Störlichtbogen-Schutzkleidung können schwere Verletzungen verhindern, wenn sich Gefahren nicht vollständig vermeiden lassen. Welche Ausrüstung erforderlich ist, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung und den konkreten Arbeitsbedingungen. Betriebe sollten deshalb auf passende Schutzklassen, eindeutige Kennzeichnungen und den einwandfreien Zustand aller Ausrüstungsteile achten. Regelmäßige Kontrollen und dokumentierte Unterweisungen gehören ebenso dazu wie die richtige Aufbewahrung. Normale Arbeitskleidung sorgt für Komfort und einen professionellen Auftritt, ersetzt aber niemals geprüfte Schutzkleidung. Entscheidend ist, dass Beschäftigte die Unterschiede kennen und die vorgeschriebene Ausrüstung bei jeder Tätigkeit konsequent verwenden.

Häufig gestellte Fragen zur PSA im Elektrohandwerk

Was gehört zur persönlichen Schutzausrüstung für Elektriker?

Je nach Tätigkeit und Gefährdungsbeurteilung gehören dazu Störlichtbogen-Schutzkleidung, elektrisch isolierende Schutzhandschuhe, Schutzhelm, geeignetes Gesichtsschutzvisier und Sicherheitsschuhe. Welche Kombination erforderlich ist, hängt von den konkreten Gefahren am Arbeitsplatz ab.

Was ist der Unterschied zwischen Arbeitskleidung und Schutzkleidung?

Arbeitskleidung dient vor allem dem Komfort, schützt die private Kleidung vor Schmutz und bietet praktische Funktionen wie Werkzeugtaschen. Schutzkleidung wird dagegen für bestimmte Gefahren geprüft und entsprechend gekennzeichnet. Normale Arbeitskleidung bietet keinen geprüften Schutz vor Stromschlägen oder Störlichtbögen.

Welche Schutzkleidung schützt vor einem Störlichtbogen?

Störlichtbogen-Schutzkleidung nach DIN EN IEC 61482-2 ist für thermische Gefahren durch Lichtbögen ausgelegt. Die Schutzklassen APC 1 und APC 2 unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich der Prüfbedingungen. Welche Klasse benötigt wird, richtet sich nach der möglichen Lichtbogenenergie am Arbeitsplatz. Die Kleidung schützt jedoch nicht vor einer Körperdurchströmung.

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.