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Elektrohandwerk im Wandel: Wie digitale Lösungen den Arbeitsalltag verändern

Kirsten Weißbacher
Verfasst von Kirsten Weißbacher
Zuletzt aktualisiert: 02. Oktober 2026
Lesedauer: 6 Minuten
© elektriker.org / KI generiert mit ChatGPT

Digitalisierung gehört im Elektrohandwerk inzwischen eigentlich zum Betriebsalltag, wird aber von Betrieb zu Betrieb ganz unterschiedlich gelebt. Während in manchen Firmen Aufträge, Arbeitszeiten und Dokumentation längst über Tablet und App laufen, wird anderswo noch vieles auf Papier erledigt.

Neue Software übernimmt dabei einen immer größeren Teil der Verwaltung und verlagert die Büroarbeit vom Abend in den laufenden Arbeitstag, während sich gleichzeitig die Anforderungen von außen ändern, etwa durch die E-Rechnung und durch Kunden, die ohnehin schnellere Rückmeldungen erwarten. Welche Lösungen sich im Alltag bewähren und wo Betriebe noch zögern, hängt dabei stark von der Betriebsgröße und den vorhandenen Abläufen ab.

Alles auf einen Blick
Große Betriebe investieren häufiger in Digitalisierung als KleinstbetriebeZeiterfassung, Dokumentation und Prüfprotokolle laufen auch per AppE-Rechnungen empfangen müssen Betriebe seit Januar 2025 und ausstellen ab 2027 oder 2028Fehlende Zeit und hohe Kosten gelten als häufigste HürdenZuschüsse und Beratung gibt es über Förderprogramme und Handwerkskammern.

Wo stehen Elektrobetriebe bei der Digitalisierung?

Die Zahlen zeigen insgesamt ein recht gemischtes Bild. Einer aktuellen Umfrage zufolge führen 30 Prozent der Handwerksbetriebe ihre Buchhaltung noch auf Papier [1] und bei der Baustellendokumentation sind es sogar 42 Prozent. Dabei macht auch die Betriebsgröße einen Unterschied, denn Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten haben in den vergangenen fünf Jahren zu 100 Prozent in Digitalisierung investiert, während es bei Kleinstbetrieben mit zwei bis fünf Beschäftigten nur 16 Prozent waren.

Digitalisierung betrifft generell alle Handwerksbetriebe [2] und die Anforderungen kommen zunehmend von außen, weil Kunden schnellere Antworten erwarten und Ausschreibungen mittlerweile häufiger online laufen.

Welche digitalen Lösungen erleichtern den Arbeitsalltag?

Die Umstellung beginnt meist bei einzelnen Abläufen, indem Aufträge, Stundenzettel und Materiallisten eben in einer App statt auf Papier landen. Typische Bausteine im Betriebsalltag zeigt die Übersicht.

BereichWas sich ändertBeispiel
ZeiterfassungStundenzettel und Aufträge per SmartphoneÄnderungen sind sofort für alle sichtbar
DokumentationFotos und Aufmaß direkt auf dem TabletKein nachträgliches Abtippen
MaterialwirtschaftBestellung und Lager in einer SoftwareMateriallisten an einer Stelle
Angebot und RechnungBeides aus denselben AuftragsdatenE-Rechnung ohne Medienbruch
PrüfprotokolleAusfüllen am Laptop und Ablage als PDFPrüfung nach DIN VDE 0100-600

Bei Prüfungen nach DIN VDE 0100-600 lassen sich digitale Prüfprotokolle [3] am Laptop ausfüllen und als PDF ablegen. Das spart vor allem bei wiederkehrenden Aufgaben wie der elektrischen Betriebsmittelprüfung [4] einiges an Zeit, weil sich Angaben leichter wiederverwenden lassen. Auch im Arbeitsschutz kommen inzwischen Wearables, Sensoren und Apps zum Einsatz, die Baustellen und Montageorte sicherer machen sollen.


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Was ändert sich bei Rechnung und Büroarbeit?

Im Büro betrifft die Änderung vor allem die E-Rechnung, für die gestaffelte Fristen für die E-Rechnung [5] gelten. Empfangen müssen Betriebe sie im B2B-Bereich schon seit Januar 2025, während das Ausstellen ab 2027 bei mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz und ab 2028 dann für alle Pflicht wird. Einer Umfrage des Handwerksverbands ZDH zufolge stellte Anfang 2026 aber erst ein Drittel der Betriebe selbst E-Rechnungen aus.

Inhaltlich bleiben die Pflichtangaben einer Handwerker-Rechnung [6] weitgehend gleich, sie liegen eben lediglich in einem strukturierten Datensatz vor.

Hinweis: Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro sind von der Pflicht zur E-Rechnung ausgenommen.

Wie verändern Smart Home und Gebäudeautomation das Angebot?

Auch das Angebot für Kunden verändert sich, denn vernetzte Haustechnik gehört inzwischen zum Tagesgeschäft und einige Betriebe bieten dazu sogar eine eigene Beratung an. Beim offenen KNX-Standard [7] verbinden laut Verband mehr als 500 Hersteller ihre Geräte und geplant wird mit der ETS-Software. Für Bauherren ist dabei entscheidend, dass sich Licht, Heizung und Beschattung über eine Gebäudeautomation mit KNX [8] gemeinsam steuern lassen.

Hinzu kommen Smart Locks [9], bei denen sich Zutrittsrechte per Software vergeben und bei einem Verlust sofort sperren lassen. Vernetzte Systeme brauchen zudem ohnehin Schutz vor Zugriffen von außen, sodass IT-Sicherheit heute schlicht zur Planung dazugehört.

Was bremst die Digitalisierung noch aus?

Eine Befragung unter 504 Handwerksbetrieben nennt fehlende Zeit und hohe Kosten [10] als typische Hürden, wozu oft noch Unsicherheit im Umgang mit neuer Technik kommt, zumal die Selbsteinschätzung häufig etwas über dem tatsächlichen Stand liegt. Bei KI-Werkzeugen zeigt sich ein ähnliches Bild, denn 96 Prozent der Betriebe kennen sie und 35 Prozent nutzen sie nie, obwohl KI-Systeme zum Beispiel in der Kundenkommunikation schon Routineaufgaben übernehmen, etwa als Chatbot für häufige Fragen.

Dem stehen allerdings mögliche Einsparungen gegenüber, denn eine Umfrage eines Softwareanbieters beziffert die Zeitersparnis in der Verwaltung je nach Aufgabe häufig auf 10 bis 20 Stunden pro Woche, während analoge Betriebe zu 41 Prozent von Fehlern durch manuelle Abläufe berichten. Als häufige Stolpersteine bei der Einführung gelten

  • Software wird gekauft und nur von einem Teil des Teams genutzt
  • Schulungen für Mitarbeitende fehlen
  • Daten liegen in mehreren Programmen ohne Schnittstelle
Förderung mitdenken: Digitalisierungsvorhaben lassen sich häufig bezuschussen oder über günstige Kredite finanzieren, wobei die Handwerkskammern persönlich beraten und auch Berater vermitteln. Einen Überblick über Förderprogramme für die Digitalisierung [11] von Bund, Ländern und EU liefert die Förderdatenbank des Bundes.

Wie geht es im Elektrohandwerk digital weiter?

Digitale Werkzeuge verringern den Aufwand für Dokumentation und Verwaltung und lassen dadurch mehr Zeit für die Arbeit an der Anlage, wobei die Fristen der E-Rechnung ohnehin einen festen Zeitrahmen vorgeben. Kunden, die ihre Elektroinstallation planen [12], erwarten zudem meist schnelle Rückmeldungen und digitale Angebote. Betriebe, die Schritt für Schritt umstellen und ihr Team von Anfang an einbinden, sind darauf jedenfalls gut vorbereitet.

Elektrohandwerk digital: Häufig gestellte Fragen

Gilt die E-Rechnung auch für Privatkunden?

Nein, Rechnungen an Privatkunden bleiben von der Pflicht ausgenommen, was vor allem Betriebe betrifft, die überwiegend im Privatgeschäft arbeiten.

Wie lange müssen E-Rechnungen aufbewahrt werden?

Die Aufbewahrung dauert acht Jahre, wobei die Rechnungen auch revisionssicher archiviert sein müssen.

Womit startet ein Betrieb am besten?

Ein einzelner Bereich reicht für den Anfang völlig aus, wobei sich Zeiterfassung oder Prüfprotokolle gut eignen, weil der Nutzen dort schnell sichtbar wird.

Wo gibt es Hilfe bei der Finanzierung?

Die Handwerkskammern beraten persönlich und Zuschüsse sowie Kredite listet die Förderdatenbank des Bundes ohnehin übersichtlich auf.

Quellen

[1] Handwerksblatt, www.handwerksblatt.de/betriebsfuehrung/hero-studie-wo-die-digitalisierung-im-handwerk-stockt . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[2] Lexware, www.lexware.de/wissen/digitalisierung/digitalisierung-im-handwerk-herausforderung-und-chance-fuer-k… . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[3] WFE Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Elektrohandwerke, wfe-shop.de/index.php/e-protokolle/e-protokolle-testversion.html . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[4] Elektriker.org, www.elektriker.org/magazin/elektrische-betriebsmittelpruefung-202416172 . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[5] Deutsche Handwerks Zeitung, www.deutsche-handwerks-zeitung.de/20-praxisfragen-zur-e-rechnung-und-ihre-antworten-381804/ . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[6] Elektriker.org, www.elektriker.org/magazin/handwerker-rechnung-schreiben-202516653 . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[7] KNX Association, www.knx.org/de/knx-erforschen/was-ist-knx . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[8] Elektriker.org, www.elektriker.org/magazin/was-ist-knx-202616763 . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[9] Elektriker.org, www.elektriker.org/magazin/schluesselverlust-smart-locks-202616804 . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[10] Bitkom, www.bitkom.org/Bitkom/Publikationen/Digitalisierung-des-Handwerks . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[11] Förderdatenbank des Bundes, www.foerderdatenbank.de . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

[12] Elektriker.org, www.elektriker.org/magazin/elektroinstallation-planen-20111348 . Zugegriffen 02. Oktober 2026.

Über unsere*n Autor*in
Kirsten Weißbacher
Kirsten hat Germanistik in Hamburg studiert und im Anschluss ein Volontariat gemacht. Nach ihrem Start in der Unternehmenskommunikation eines lokalen Herstellers wechselte sie in die freiberufliche Tätigkeit. Seit Februar 2024 ist Kirsten bei Digitale Seiten und schreibt dort Ratgeber zu Handwerksthemen aller Art.